DSD Kopfhörerverstärker

Heute teste ich einen Kopfhörer-Verstärker von inLine. Es geht um den DSD-Kopfhörer-Verstärker mit 24bit PCM-Wiedergabe, siehe Link . Zur Einleitung erst ein mal ein paar Fotos des guten Stückes. Der zunächst recht hoch wirkende Preis (siehe Amazon) wird vermutlich den ein oder anderen erstaunen, so gibt es doch Kopfhörerverstärker für viel kleineres Geld. Dazu sei an dieser Stelle angemerkt, dass es sich beim Testobjekt um einen sogenannten DSD-Verstärker handelt. Die Abkürzung steht für Direct Stream Digital und beschreibt ein hochauflösendes Verfahren der Audiospeicherung.

Direct Stream Digital

Im Gegensatz zum “normalen” Musik-Streaming via PCM-Verfahren ist die Umrechnung vom 1-Bit-Datenstrom in das PCM-Format und dann wieder zurück nicht notwendig, da der 1-Bit-Stream (die Musik) vom AD-Umsetzer direkt in dieser Form gespeichert wird. Zur Ausgabe wird der 1-Bit-Datenstream direkt dem Delta-Sigma-Umsetzer zugeführt ohne das zuvor eine Umrechnung von PCM zu 1-Bit erfolgen muss.

Viel besser für die Musikqualität sagen Sympathisanten. Nun ist es jedoch so, dass heutzutage die AD- bzw. DA-Umsetzer längst nicht mehr mit einfachen Delta-Sigma-Umsetzern arbeiten, sondern mit mehreren Bit arbeiten und auch die Abtastfrequenz im Megaherz-Bereich liegt. Somit müssen die Daten sowohl für PCM als auch für DSD nach der Umsetzung umgerechnet werden. Mit anderen Worten: Hat das DSD seinen Vorteil mit dem Wegfall des 1Bit-Delta-Sigma-Umsetzers verloren? Wer noch tiefer in die Thematik einsteigen möchte, dem möchte ich diesen Artikel ans Herz legen.

Der erste Eindruck

Der Verstärker wird in einem gewöhnlichen Umkarton geliefert. Hier kann bereits positiv erwähnt werden, dass auf überflüssig viel Plastik verzichtet wurde, Daumen hoch!

Ein Blick in das Innere des Kartons lässt den Lieferumfang erscheinen, den ich auf dem nachfolgenden Foto festgehalten habe. Der Verstärker wirkt sehr hochwertig verarbeitet. Das Gehäuse des Verstärkers besteht zu einem Großteil aus Aluminium und ist somit äußerst robust. Auf der Unterseite befinden sich vier gummierte Standfüße die jegliches Verrutschen des Verstärkers erfolgreich unterbinden.

Neben dem eigentlichen Kopfhörer-Verstärker befindet sich ein USB-Typ-B-Kabel, ein Netzteilkabel mit Hohlstecker sowie ein Klinke/Chinch-Kabel im Lieferumfang. Zusätzlich liegt neben der Bedienungsanleitung noch eine CD mit Treibern für Windows (XP bis 10) und MAC OS X ab 10.6. Da das Metallgehäuse leicht wartbar mit einfachen Torx-Schrauben verschlossen ist, konnte ich nicht umhin mal einen Blick in das Innere des Verstärkers zu werfen.

Das letzte Foto der Reihe ist auch in einer höheren Auflösung verfügbar. Der Hauptchip ist im rechten Bereich der Platine zu sehen, ein VT1736. Übrigens ist das Gehäuse vollständig aus Metall/Aluminium.

Inbetriebnahme

Da ich mittlerweile kein optisches Laufwerk mehr in meinem PC/Notebook habe, suchte ich die Webseite von inLine auf um mir die Treiber von dort herunterzuladen. Als ich jedoch feststellen musste, dass diese dort nicht zum Download angeboten werden, schaute ich erstmal ziemlich sparsam aus der Wäsche, habe dann jedoch einen entsprechenden Hinweis zum Download im Handbuch gefunden. Mit einem Download-Code (siehe Handbuch) kann man die Software/Treiber von einer externen Webseite downloaden.

Mit den nun vorhandenen Treibern ließ sich der Verstärker spielend installieren. Im Anschluss musste der PC neugestartet werden und siehe da, der Verstärker arbeitet. Hinweis: Damit der Verstärker am PC erkannt ist, reicht es nicht aus nur das USB-Kabel anzuschließen. Es muss zusätzlich der Lautstärkeregler ein wenig im “aufgedreht” werden. Dieser dient neben der Lautstärkereglung auch zum Ein- und Ausschalten des Verstärkers.

Für die reine Stromversorgung ist das mitgelieferte USB-Kabel ausreichend. Optional kann noch das zusätzliche Kabel mit Hohlstecker verwendet werden, das habe ich bisher jedoch nicht gebraucht.

Der Klang

Hochwertiges Gehäuse, sehr edle Verarbeitung sind ja schön und gut aber das wesentliche worum es bei einem Kopfhörer-Verstärker geht ist natürlich der Klang. Es gibt im Internet diverse Quellen, die einen kostenlosen Download von High-Resoultion-Audio-Dateien anbieten. inLine bietet neben dem hier getesteten Modell (64-DSD) auch noch einen Verstärker mit 128-facher DSD. Also habe ich mir fix ein paar entsprechende Titel aus dem Internet besorgt um diese über den Verstärker zu testen. Auf der Webseite von 2L gibt es ein paar Titel, die im entsprechenden Format kostenlos verfügbar sind.

Zur Wiedergabe habe ich das JRiver MediaCenter verwendet. Im Lieferumfang befindet sich die Software mit entsprechendem Lizenzschlüssel, sehr lobenswert. Die Software muss noch für den Verstärker gemäß der Anleitung des Nutzerhandbuches konfiguriert werden, damit die Dateien im entsprechenden DSD-Format übertragen werden (hierzu müssen natürlich die Treiber korrekt installiert sein). Mit Hilfe des Benutzerhandbuches ist das Einrichten im Grund sehr intuitiv.

Anmerkung: Ich habe es trotz langen Herumprobieren nicht geschafft Musik so wiederzugeben, dass auf dem Verstärker die DSD-LED leuchtet. Jedoch konnte ich DSF-Dateien im PCM-Format mit 192 kHz-Sample-Rate wiedergeben und normale MP3-Dateien mit 44,1 kHz abspielen. Es mag an meinen Kopfhörern liegen (Logitech G230), doch ich konnte beim zumindest keine großen Klangunterschiede feststellen. Darauf hin habe ich das Thema etwas recherchiert und eine Diplomarbeit gefunden, die belegt, dass der Unterschied zwischen PCM und DSD statistisch von Hörern nicht wahrgenommen wird, siehe (Link leider tot). Ich habe für diesen Produkttest ein System mit Windows 10 (64 Bit) verwendet sowie die folgenden Kopfhörer: Logitech G230, Apple EarPods sowie Philips SHE9000 In-Ear Kopfhörer.

Fazit

Der Kopfhörer-Verstärker von inLine ist ohne Frage ein sehr hochwertiges Produkt, das Musik in sehr hoher Qualität wiedergeben kann. Im Bereich der DSD-Verstärker ist der Preis dieses Produktes sogar recht moderat angesiedelt. Die Verarbeitungsqualität des Verstärkers ist  vorbildlich und der Lieferumfang ordentlich. Ich möchte keinem audiophilen auf den Schlips treten, doch für mich persönlich ist der Unterschied (hier PCM mit 44,1 kHz und PCM mit 192 kHz) kaum wahrnehmbar. Diese Tatsache gepaart mit der etwas umständlichen Einrichtung einer zusätzlichen MediaCenter-Software, die es überhaupt erst ermöglicht entsprechende Dateien abzuspielen machen das Produkt für mich zumindest zum Teil unattraktiv(er). Ich werde mich noch weiter mit dem Verstärker beschäftigen und versuchen herauszufinden, weshalb es mir nicht möglich ist Musik im DSD-Format wiederzugeben (es sollte dann auch die DSD-LED auf dem Verstärker leuchten). Abschließend sei gesagt, dass der inLine-Verstärker ein sehr hochwertiges Produkt ist und für audiophile Menschen, nicht zuletzt aufgrund des recht günstigen Preises (vgl. andere DSD-Verstärker) durchaus interessant sein kann. Jedoch für Menschen, die ohnehin keinen großen Wert auf klanglich hochwertige Musik legen oder diese nicht von komprimierter Musik unterscheiden können, dem sei lieber zu einem gewöhnlichen Verstärker geraten.

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